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Pojana Maggiore ist die südlichste Gemeinde der Ebene von Vicenza und liegt eingeschlossen zwischen den Provinzen Padua und Verona. Sein Territorium, das in alten Zeiten von dem unregelmäßigen Flußbett der Etsch durchquert war, wurde erstmals urbar gemacht, als Kaiser Augustus es von der Kolonie Ateste ablöste, um es den Soldaten von Azzo d'Este als Kriegspreis zu verleihen. Die alte bäuerliche Tradition wird auch vom Namen des Ortes selbst bezeugt, der wohl von langobardischen Wörtern wie plojum, plojana abzuleiten ist, die zum Zeitpunkt seiner Kolonisierung im 7.-8. Jh. n.Chr. mit der Bedeutung von bedauten, gepflügten Ländereien in Gebrauch gekommen waren. Die königliche Ermächtigung zur Errichtung einer Burg geht auf das Jahr 917 n.Chr. zurück, und obwohl die dokumentarischen Quellen äußerst karg und unbestimmt sind, weiß man, daß die Burg von Pojana wie viele andere im Territorium verstreute Burgen 1220 im Besitz des Bischofs von Vicenza, eines Lehnsherrn der deutschen Kaiser war, und zwar auf Grund einer kaiserlichen Urkunde, welche sich jedoch als Fälschung erwiesen hat, die vielleicht aus Anlaß der Streitigkeiten zwischen dem Bischof und der Stadt Vicenza aufgesetzt wurde.
Nach den wechselvollen Geschehnissen, die im 13. Jh. aufeinander folgten, ging die Burg in den Besitz der Familie Paltinieri aus Monselice über, die gesamten Ländereien von Pojana erwarb und auch deren Namen annahm (wahrscheinlich steht die Änderung des Familiennamens mit einer Episode von Verrat und Unehre in Verbindung). Das Territorium von Vicenza und damit auch Pojana erleben erst eine etwas ruhigere Zeit im 15. Jh. mit der Annexion an die Republik Venedig, welche die Urbarmachung des Territoriums weiterführt und eine gewisse politische Sicherheit garantiert. Aber mit dem Krieg von Cambrai beginnen wieder regelmäßige Plünderungen und Verwüstungen von seiten der Heere, die hindurchziehen oder hier Aufenthalt machen.
Nachrichten, die Existenz einer Burg in Pojana bezeugen, gehen auf das Jahr 917 n.Chr. zurück, dann folgt das typische Dunkel der ersten Jahrhunderte des neuen Jahrtausends bis zur Chronik seiner 1240 erfolgten Zerstörung durch Ezzelino da Romano, der ein mit Kaiser Friedrich II. verbündeter Gibellene war. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wiedererbaut, wurde sie 1312 im Zuge des Krieges zwischen Paduanern und Veronesern erneut niedergerissen. Bis zur Annexion des Territoriums an das Gebiet von Venedig besaß die Burg von Pojana eine Schlüsselstellung in dem weiten Gebiet des Basso Vicentino, der Südebene von Vicenza, und kontrollierte gleichzeitig die Territorien von Padua im sud Osten und die von Verona im Westen. Die Burg war nämlich in Richtung Montagnana durch drei Wasserläufe natürlich geschützt und nach Orgiano, Sossano und Noventa hin durch Wachtürme, die auch den in Burgnähe entstandenen Flecken beschützten.
Auf den Ruinen der Burg baute Graf Pagano Paltinieri sein Wochenendhaus "aus Ziegel und Stein". Im Jahre 1400 verschönert Odorico Pojana das Gebäude und erhöht den 1312 teilweise zerstörten Turm, um ihn nach den neuen von Vendig diktierten Sitten in Wohnsitz umzuwandeln. Sehr alten Ursprung hat auch die kleine Kirche von Sankt Zenone, die am Anfang des 15. Jahrhunderts für den Familiengebrauch wiedererbaut und 1588 von der Äbtissin Silvia Pojana neu strukturiert wurde.
Die Kirche wurde mit einem neuen Marmoraltar versehen, die Halle wurde mit einem ausgemalten Gewölbe geschmückt, die anliegende, als Sakristei bestimmte Wohnung wurde mit Fresken verziert, und noch heute kann man ein paar schwache Überreste davon sehen. Und bei dieser Gelegenheit wird auch der Turm durch den Bau der mit Metope, Triglyphen und Rundfenstern verzierten Loggia aus weichem Stein verfeinert, während in seinem Innern die Treppe und die Räumlichkeit des ersten Stocks mit gemauerten Tonnen-und Klostergewölben geschmückt wird. Vor diesem Eingriff waren die Räume wahrscheinlich mit einem Freskenband über die gesamte Wandlänge dekoriert, wie die Gemäldespuren bezeugen, die noch an der Stelle zu sehen sind, wo der Rauchfang eingestürzt ist, und malerische Verzierungen mit Bumenmotiven sind auch in den Räumen des zweiten Stocks vorhanden, der durch den Einsturz der Treppe nicht mehr begehbar ist. Nachricht über erneute Arbeiten am Burgkomplex haben wir von 1697, wie in einer Inschrift unter dem Gesims des Wirschaftsgebäudes zu Rechten des Turms zu lesen ist, die Ausführung von Erweiterungsarbeiten an den Resten der ehemaligen Stallungen der Burg bestätigt, und zwar um das Bauwerk zu verschönern und einen Teil des Geländes in Garten zu verwandeln. Die Wirtschaftgebäude zu Seiten des Turms sind nochmal Objekt von weiteren Eingriffen am Ende des vorige Jahrhunderts, wahrscheinlich 1880 als der Graben zugeschüttet, die Reste der Zugbrücke beseitigt und der kleine neugotische Bogengang gebaut wurde, der das Hauptgebäude mit dem Anbau der Sakristei verbindet. Es ist stark anzunehmen, daß bei dieser Gelegenheit auch die heutigen neuromanischen Doppelbogenfenster eröffnet worden sind.
Die Kirche wird im Laufe der Jahrhunderte ständig als Familienkapelle benutzt, während der anliegende Raum, der zu Sakristeizwecken erbaut wurde, durch den Bau eines Wirtschaftsgebäudes erweitert wird, das als Käserei und später als Trockenraum für Tabak benutzt wird. Der Hauptbau ist, obwohl er seinen ursprünglichen Wohnsitzcharakter bewahrt hat, von einer herrschaftlichen Residenz in einfaches Landwirtschaftsgebäude verwandelt worden und zeugt zusammen mit den anderen Gebäuden von der Verwahrlosung, in der sich der gesamte Komplex befindet.
Burgen wie die von Poiana waren im Mittelalter ziemlich verbreitet und begannen durch die heftigen Kämpfe zwischen rivalisierenden Nationen zu verschwinden. Die Besonderheit dieses Komplexes besteht jedoch in dem Milieu, das sich am Ende des 16. Jahrhunderts herausgebildert hat, als die Grafen Pojana Andrea Palladio mit dem Bau ihrer neuen Residenz gegenüber der alten Burg beauftragten. Der architektonische Komplex der Burg ist einer der wenigen Fälle in der Architektur, in dem man gleichzeitig eine Verteidigungsanlage vom mittelalterlichen Typ neben der Angleichung an Wohntraditionen des 15. Jahrhunderts bestehen sieht, neben der Anpassung an einen neuen Zeitgeschmack im Leben und Wohnen, die mit der typischen Wiederentdeckung des ländlichen Ambiente seitens der Villenkultur (civiltà di villa) verbunden sind, mit kultivierten Erneuerungen durch die Architektur des 19. Jahrhunderts bis hin zum Schwund jeglichen Interesses für das historische Erbe, das der Burgkomplex uns übermittelt, und mit folglichen unvereinbaren Änderungen des Verwendungszwecks, die nach und nach zur völligen Verwahrlosung und Interesselosigkeit für eine bedeutende Seite der Geschichte des Basso Vicentino geführt haben.
Zwischen Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts verursachte eine Kette von Geschehnissen radikale Veränderungen auf europäischer Ebene, und Venedig, das eine für internationale Einflüsse offene Stadt war, nahm alle Neuheiten auf. Die Niederlage von Cambrai (1517) bedeutete für die Republik nicht den Beginn des Niedergangs, sondern eher eine bedeutsame Gelegenheit zum Nachdenken, die sie zu grundlegenden Momenten ihrer Geschichte führen sollte. Einer davon war die Entstehung der "Civiltà delle Ville", der Villenkultur, Ergebnis einer neuen Haltung der venezianischen Politik gegenüber dem Festland.
Die Niederlage von Cambrai unterstrich nämlich wie grundlegend die Beherrschung und Regierung des Festlands war, angefangen von einer Neuorganisierung und Befestigung der Territorien, um "ihre Energien freizulegen und ihre Reichtümer zu nutzen". Aus den mit Venedig verbündeten Städten bot sich eine Aristokratie an, die auf dem Land ein neuses und offeneres Lehnssystem entstehen ließ, das direkt von der venezianischen Justiz kontrolliert werden konnte. Tatsächlich war es kein Zufall, daß seit Mitte des 16. Jahrhunderts in allen Orten keine befestigten Burgen mehr entstanden, sondern Villen, die sowohl für das Landleben als auch für die neuen kulturellen und künstlerischen Einwirkungen offen waren.
Eine emblematische Figur dieser neuen künstlerischen und kulturellen Einstellung ist Andrea Palladio, dem es gelang, in seinen Architekturen die Persönlichkeit und die Verherrlichung des Auftraggebers auszudrücken, ohne dabei die Rolle der Villa in der Landwirtschaft aus dem Auge zu verlieren. So entstanden seine "nie zu erhabenen" Villen, die sich in jeder Situation den Zwecken und dem sie umgebenden Milieu anpassten. Diese Geschicklichkeit Palladios ist besonders erkennbar hier im Basso Vicentino, einem Gebiet, in dem durch Trockenlegung einschneidende Urbarmachungsarbeiten durchgeführt wurden und in dem der Adel, der sich hier niederließ, zwar von einem Sinn für das Schöne und Kostbare beseelt war, es aber vermied, seinen Status übermäßig zur Schau zu stellen und sich lieber nutzbestimmten Kriterien unterwarf, die mit der Bearbeitung der Felder verbunden waren. Es gibt drei emblematische Fälle: Villa Saraceno in Finale di Agugliaro, Villa Ferri-Pisani in Bagnolo di Lonigo und Villa Pojana in Pojana Maggiore. In all diesen ländlichen ("rustiche") Villen wurde der mit geräumigen Kornböden und Kellern versehene herrschaftliche Gebäudekern im Projekt immer von den Volumina der Barchessen, Laubengänge und Taubenschläge umgeben.
Es ist noch nicht bekannt, in welchem Jahr die Bauarbeiten an der neuen herrschaftlichen Residenz begannen, die Familie Pojana bei Andrea Palladio in Auftrag gab. Wahrscheinlich waren das Haus, das sie im Ort besaßen, und der Wohnsitz im Burgkomplex nicht mehr repräsentativ genug für die Familie, so daß sie sich für den Bau einer neuen Residenz entschied, die an der Stelle errichtet werden sollte, wo wahrscheinlich die erste, 1240 zerstörte Burg gestanden hatte, und für den Bau hätte man so mehrere Elemente verwenden können, die aus den alten Gebäuden stammten. Sicher ist, daß 1563 in der Villa Pojana die Fußböden aus "battuto" (zementähnlich) nach venezianischer Art fertiggestellt waren und auch ein großer Teil der vorgesehenen Fresken war bereits ausgeführt.
Dieses palladianische Bauwerk stellt ein Unikum im Programm des Meisters dar und macht seine chronoligische Einordnung innerhalb des Gesamtweks alles andere als leicht. Es gibt kein Schema, das man für die Villen Palladios verwenden könnte, um sie zu identifizieren; in der Tat fällt Pojana mit der Gliederung seiner Fronten völlig aus den für die anderen Villen gewählten Lösungen heraus.
Die Vorder- und die Hinterfront sind nämlich von einem leicht vorspringenden Mittelteil ausgebildet und unterstrichen durch das Serlianamotiv, das die glatte Wand einschneidet und durchbricht und in einem Doppelbogen endet, der fünf Oculi umschließt, ein Motiv, das an den Monumentalbrunnen in Gennazzano von Bramante erinnert. Die Serliana wird von viereckigen Feilern getragen statt von Säulen (wie im handgezeichneten Entwurf vorgesehen). An der Hinterfront ist die Serliana blind und noch schlichter, und die zahlreichen Fenster kompromittieren teilweise die Einheitilichkeit der Fassade. Dies bezeichnet einen bei Palladio nicht seltenen Modus operandi: vor der Notwendigkeit, jeden Raum zu erhellen, zögert der Architekt nicht mit dem Einbau von neuen Öffnungen und unterwift so die ästhetischen Ansprüche den wichtigeren funktionellen Forderungen.
Vom planimetrischen Gesichtspunkt gruppieren sich die Innenräume um den zentralen Salon, in den man durch die elegante Fassadenloggia gelangt, die in der Mitte von einem Kreuzgewölbe und an den Seiten von Tonnengewölben überdeckt ist. Der mittlere Salon und die viereckigen Räume an den Seiten der Villa besitzen eine Decke mit Klostergewölbe, während in den kleinen Zimmern das schon in der Eingangshalle gesehene Motiv wiederholt ist.
Das bildhauerische und malerische Programm ist besser zu verstehen, wenn man an die Tradition der Familie Pojana denkt, die an militärischen Unternehmungen teilnahm und eine besondere Neigung zur Kriegskunst hatte. Tatsächlich scheint in der Villa ein malerisches Programm zu überwiegen, das den militärischen Ruhm verherrlicht. In der Eingangsloggia dominiert über der Zugangstür die Büste von Bonifacio Pojana (dem Auftraggeber) in der Tracht der klassischen Antike, ein Werk des Bildhauers und Stukkateurs Bartolomeo Ridolfi.
Im Saal der Kaiser (Fresken von Anselmo Canera und Bernardino India) kehrt das gleiche Programm wieder: an den von jonischen Säulen gegliederten Wänden die Monumentalfiguren der Kaiser.
Der Komplex der Villa, der von Palladio aus zwei Flügeln von Laubengängen vorgesehen war, die sich rechtwinklig biegend vom Mittelteil ausgingen und bis zur Straße reichten, ist nie verwirklicht worden, oder besser, wird nur teilweise verwirklicht mit dem Bau des linken Flügels in sehr viel späterer Zeit (1615) und wahrscheinlich mit einer ganzen Reihe von Änderungen. Man weiß nicht, ob diese Barchesse bis zur Villa reichte, vielleicht haben diverse Demolitions- und Bauarbeiten zu dem heutigen Stand geführt, bei dem die Verbindung zwischen der Villa und dem Laubengang von einem flachen Bau aus dem 19. Jh. gebildet wird, der in den Bauteil von Muttone aus dem 18. Jh. einmündet, welcher im Anschluß an die linke Front der Villa gebaut worden war.
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